Industrie 4.0 Fallen

Wie man Daten-Silos aufbricht

Blog Post
Von Dr. Andreas Wombacher    17. März 2017
Dr. Andreas Wombacher ist Data Scientist für Smart Manufacturing und Entwickler von Lösungen für den Digital Workflow mit weitreichendem Wissen zu Datenverarbeitung und Datenmanagement sowie der Modellierung und Analyse von Arbeitsabläufen. Er war bereits in vielen Smart-Manufacturing-Projekten in verschiedenen Branchen und in Unternehmen unterschiedlicher Reifegrade tätig und ist ein Experte für die Kombination von Daten und Arbeitsabläufen, z.B. beim Process Mining zur Gewinnung neuer Einblicke in die entsprechenden Prozesse oder bei der Anreicherung von Daten mit kontextueller Semantik anhand. von Workflow-Modellen.
Daten treiben Industrie 4.0 wesentlich an - doch die werden in der Regel in abgeschotteten Silos gespeichert. Die für die Digitalisierung so wichtige Verknüpfung aller relevanten Daten ist damit unmöglich. Wie kann man das ändern?

Daten aus Maschinen, Anlagen und Fertigungsprozessen spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung einer sinnvollen Industrie 4.0 Strategie. Das ungehinderte Sammeln, Verknüpfen und Auswerten von Daten bildet die Basis von Industrie 4.0 Vorhaben. Dem notwendigen Zugriff auf alle relevanten Daten steht allerdings die gewachsene historische Praxis entgegen: In den Unternehmen ist es üblich, Daten abteilungsspezifisch zu sammeln und vorzuhalten – das Ergebnis sind isolierte Daten-Silos, die ausschließlich von den Business-Units verwaltet und genutzt werden.

Diese isolierte Datenhaltung behindert den Erfolg von Industrie 4.0 Projekten, weil man bereichsübergreifend alle Daten braucht. "In vielen Unternehmen kann man beobachten, dass es für Mitarbeiter, die diese Daten nutzen wollen, recht schwierig ist, Zugang zu den Daten zu bekommen", sagt Dr. Andreas Wombacher, Senior Consultant beim IT-Dienstleister Wipro. Ist der Zugriff auf diese abgeschotteten Silos Mitarbeitern verwehrt, die nicht der Abteilung angehören, versinken diese Daten ungenutzt im Datenmeer. Für eine umfassende Digitalisierung ist das kontraproduktiv.

Wünsche nach einem übergreifenden Datenzugang werden vom Business zwar immer öfter geäußert. Weil die Realisierung aber letztendlich die IT-Abteilung übernimmt, kommen in der Regel bewährte, traditionelle IT-Konzepte zum Einsatz. Und die sind nicht förderlich für Industrie 4.0. "Anstatt im Vorfeld zu fragen, was mit den Daten gemacht werden soll, wird eine Infrastruktur aufgesetzt, die vielleicht optimal für das Speichern der Daten ist - aber schlecht für deren Wiederverwendung und Analyse", erklärt Dr. Wombacher.

So lassen sich Daten unbegrenzt nutzen

Um die Daten-Silos aufzubrechen und für die Digitalisierung nutzbar zu machen, gibt es für den Wipro-Spezialisten grundsätzlich zwei Möglichkeiten. "Man kann in der ersten Option das Problem rein organisatorisch lösen und einen Datenverantwortlichen installieren, dessen Job es ist, alle Daten auf einem System bereitzustellen und sie miteinander zu verknüpfen." In großen Unternehmen auf C-Ebene kann diese Aufgabe ein Chief Digital Officer übernehmen. Er fungiert als verantwortliche Bezugsperson für alle Daten und ist zuständig dafür, die digitale Transformation voranzutreiben.

Die zweite Möglichkeit besteht in der technischen Lösung über einen Self-Service. Dabei holt man die Daten aus den Data Warehouses und Datenspeichern der einzelnen Unternehmensbereiche heraus und packt sie in eine einzige Storage-Infrastruktur – einen Data Lake. In diesem Data Lake werden strukturierte und unstrukturierte Daten unabhängig von Quelle oder Ziel aufgenommen, katalogisiert und kontrolliert.

Aus dem Data Lake kann dann jeder Zugangsberechtige diejenigen Daten abholen, die er braucht. Den Vorteil der hohen Flexibilität von Data Lakes erkauft man sich allerdings mit höheren Anforderungen an den Anwender. Er muss die Datenstrukturen verstehen und viel mehr interpretieren als ein Anwender, der mit gepflegten Data-Warehouse-Daten arbeitet.

Egal für welche Option man sich entscheidet: Weil Daten das A und O von Industrie 4.0 sind, müssen Silodenken und starre Strukturen aufgegeben werden, wenn die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt werden soll.