Industrie 4.0 Wissenstransformation

Nichts geht ohne den Mann an der Maschine

Blog Post
Von Dr. Klaus Manhart    10. August 2017
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Ohne das Know-how von IT-Spezialisten und Datenanalysten kommen Industrie 4.0 Projekte nicht aus. Die Relevanz des Domain-Wissens der Fachkräfte in der Produktion wird hingegen oft vergessen. Das kann ein folgenreicher Fehler sein.

Industrie 4.0 bietet Unternehmen enorme Chancen, wenn es gelingt, das Know-how aus der Entwicklung und Produktion mit digitalen Prozessen zu kombinieren. Datenanalysten und IT-Spezialisten sind deshalb zweifellos eine tragende Säule von Industrie 4.0 Projekten. Schließlich spielt die zielgerichtete und IT-gestützte Nutzung von Daten in vernetzten Produktionssystemen und Betriebsprozessen eine große Rolle.

Dabei wird meist vergessen, dass eine ganze Gruppe von Fachleuten mindestens ebenso wichtig ist, um I4.0-Projekte erfolgreich umzusetzen. Das sind die lokalen Fachkräfte, die Experten in der Produktion, die die Maschinen bedienen und warten und die mit ihrem Domain-Wissen die Prozesse am Laufen halten. Mitarbeiter also, die sich direkt vor Ort um die Maschinen kümmern und die alle Tricks und Kniffe beherrschen.

Wertvolles Know-how

Diese Fachkräfte direkt an den betrieblichen Prozessen in die Digitalisierungsprojekte einzubeziehen ist von zentraler Bedeutung. "Sie verfügen über Wissen und Know-how, das nicht außen vorgelassen darf", sagt Dr. Andreas Wombacher, Senior Consultant beim IT-Dienstleister Wipro. "Datenanalyse ist wichtig, fördert aber nur das zu Tage, was in den Daten gespeichert wurde. Die lokalen Fachkräfte vor Ort wissen aber viel mehr - Vorgänge an den Maschinen etwa, die nicht aufgezeichnet wurden."

Ein Maschinenbediener zum Beispiel weiß, wie seine Maschine optimal eingestellt wird. Dieses Wissen beruht auf seinen Erfahrungswerten. Ebenso weiß er vielleicht, dass die Maschine Probleme machte als dies oder jenes umgestellt wurde. "Das sind Informationen, die man nicht in Datenbanken findet, sondern nur in den Köpfen der Mitarbeiter."

Dieses flüchtige, nicht dokumentierte Wissen ist in I40-Projekten ebenso wichtig wie das Wissen, das in den festgehaltenen und gespeicherten Daten steckt. Und dieses informelle Wissen des "Manns an der Maschine" hilft auch, den Kontext der Daten besser zu verstehen. Das ist besonders auch dann relevant, wenn es darum geht, die Abhängigkeiten der Prozesse zu verstehen. Weil Industrie 4.0 Prozesse hochgradig vernetzt sind, gibt es eine Menge solcher Abhängigkeiten. Sie zu verstehen ist für die Integration von zentraler Bedeutung.