Spezialisten gesucht

Mit Topcoder gerüstet für den „War of Talents“

Blog Post
Von Dr. Klaus Manhart    16. August 2017
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Spezialisten für Big Data und Artificial Intelligence werden dringend gesucht - und der War of Talents wird sich künftig weiter verschärfen. Croud-Sourcing Portale wie Topcoder könnten ein Ausweg sein.

Deutsche Unternehmen stehen im Zuge der Digitalisierung vor einem dramatischen Fachkräftemangel. Laut der PWC-Studie "Demografischer Wandel - In Deutschland werden die Arbeitskräfte rar" stehen dem Arbeitsmarkt im Jahr 2030 rund 3,5 Millionen Menschen weniger zur Verfügung als heute.

Schon aktuell fehlen dem Arbeitsmarkt laut dem Branchenverband Bitkom 43.000 IT-Fachkräfte. Eine repräsentative Befragung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) kommt zu dem Ergebnis, dass 85 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verschärfung des IT-Fachkräftemangels in den kommenden drei Jahren rechnen.

Gerade in den Bereichen, die die Digitalisierung vorantreiben, ist der War of Talents in vollem Gang. Experten und insbesondere Entwickler für Cloud Computing, Mobil-Lösungen, Big Data und Artificial Intelligence (AI) werden händeringend gesucht. Hinzu kommt: Die Vielfalt der Kompetenzen, die heute gerade in hochkomplexen Modernisierungsprojekten benötigt werden, lässt sich kaum noch in internen IT-Abteilungen abdecken, geschweige denn vorhalten.

Scheitert die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft letztlich also am Mangel an Fachkräften? Das nun wahrscheinlich nicht. Aber es braucht innovative Ideen, um mit dieser Herausforderung umzugehen. Eine Möglichkeit, das Fachkräfte-Dilemma zu lösen, ist Crowd-Sourcing.

Fachkräfte stehen in Community bereit

Croud-Sourcing im Entwicklungsbereich bedeutet: Unternehmen stellen über eine Cloud-Plattform Software-Experten konkret zu lösende Aufgaben etwa aus dem Bereich Big Data oder AI. Die Plattform stößt dann einen Programmierwettbewerb an. Entwickler, die sich für einen Auftrag interessieren, reichen eine Lösung ein und konkurrieren dabei mit allen anderen Cloudworkern, die das auch tun.

Der Kunde kann sich dann die beste Lösung aussuchen und muss auch nur diese bezahlen. Der Entwickler erfährt in der Regel nicht, auf welches Projekt sich seine konkrete Aufgabe bezieht, denn er löst meist nur Teilaufgaben. Am Schluss sind alle Lösungen für alle Teilnehmer einsehbar. Für Unternehmen hat diese Art der Experten-Rekrutierung den Vorteil, dass sie so Tausende von Datenwissenschaftlern und Entwicklern, die in den nachgefragten Bereichen ausgebildet wurden und die notwendigen kognitiven Fähigkeiten haben, finden können.

Topcoder gilt in diesem Segment als die bekanntste und seit 15 Jahren führende Crowd-Sourcing-Community. Die Plattform wurde im Herbst 2016 von Wipro aquiriert und vereint aktuell etwa eine Million Programmierer, Designer und Data-Science- sowie AI-Experten.

Win-win bei Topcoder

Mike Morries, CEO von Topcoder, berichtete kürzlich, was von der Topcoder Community in den 15 Jahren ihres Bestehens erreicht wurde. Danach haben über 500 Entwickler über 41.000 Herausforderungen gelöst. Fast 100 Millionen Dollar Preisgeld wurde von Topcoder Mitgliedern verdient, 10 Millionen Dollar wurden an die Top 11 Verdiener der Plattform ausbezahlt. Lösungen für Data Science Herausforderungen haben Forschern, Unternehmen und Agenturen geholfen entscheidende Fortschritte in den Bereichen Advanced Robotics, Bio-Landwirtschaft, DNA Sequenzierung, Umweltschutz, Pharma-Testing, Präzisionsmedizin und vielen anderen Gebieten zu erreichen.

Die geballte Entwicklerkompetenz von Topcoder nutzen viele führende IT- und High-Tech Unternehmen schon längere Zeit.

Die Kunden von Topcoder auf der anderen Seite profitieren vom Zugang zu einem breiten Pool von Fachexperten mit Erfahrung in Artificial Intelligence und Cognitive Computing. Zudem berichten Kunden schon im Jahr 2012 auf einer Veranstaltung der Wirtschaftszeitung Handelsblatt von signifikanten Einsparpotentialen im Vergleich zu herkömmlicher Software-Entwicklung in Höhe von 33 Prozent. Auch völlig neue Formen der Zusammenarbeit und des Rekruitings sind möglich: So können Personalverantwortliche einen Bewerber im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs ein Problemfall live in Topcoder programmieren lassen. Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos.