Design Thinking

Kreativität als Methode

Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
In Zeiten der Digitalen Transformation brauchen Führungskräfte neue Ansätze, um das Silo-Denken zu überwinden und schnell kundenorientierte Lösungen zu entwickeln. „Design Thinking“ ist erfolgreich, weil es sich vor allem um die Bedürfnisse des Endanwenders kümmert.

Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ist keine Zukunftsvision mehr, sondern in vielen Industrien bereits Realität. In diesem Umfeld brauchen Führungskräfte neue Ansätze, um schnell innovative Lösungen für komplexe Probleme zu erarbeiten. Das "Design Thinking" ist eine solche Innovationsmethode, die in immer mehr Konzernen und Start-ups erfolgreich eingesetzt wird.

Design Thinking ist an einen Arbeitsprozess angelehnt, dem Designer intuitiv folgen. Die Methode ist darauf zugeschnitten, neue, ganzheitliche Ideen zu finden und Innovationen zu entwickeln, die sich am Nutzer orientieren und dessen Bedürfnisse erfüllen.

Durch die Nutzerbrille

Design Thinker betrachten ein Problem immer durch die Brille des Nutzers und nehmen die Rolle des Anwenders ein. Dies erfordert eine stetige Rückkopplung zwischen dem Entwickler einer Lösung und dessen Zielgruppe.

Design Thinker stellen deshalb dem Endanwender Fragen und nehmen seine Abläufe und Verhaltensweisen genau unter die Lupe. Lösungen und Ideen werden in Form von Prototypen möglichst früh sicht- und kommunizierbar gemacht, damit potenzielle Anwender sie - noch lange vor der Fertigstellung oder Markteinführung - testen und ihr Feedback abgeben können. Auf diese Weise erzeugt Design Thinking sehr praxisnahe Ergebnisse.

Am häufigsten angewandt wird Design Thinking in der Softwareentwicklung, weil hier in punkto Designqualität die meiste Luft nach oben ist. Anwendungen sollen eine elegante, leicht zu bedienende und schnell zu verstehende Oberfläche haben und zugleich unzählige, immer komplexere Aufgaben bewältigen.

Virtueller Showroom für Autos

Wirklich nutzerfreundlich ist eine Software nur dann, wenn sie von Beginn an aus der Perspektive des Nutzers entwickelt wurde. Dazu muss sich der Hersteller konsequent in den Anwender hineinversetzen und wissen, welche Erwartungen dieser hat. Bestes Beispiel ist vielleicht Apple: Der Erfolg des Unternehmens rührte von Beginn an daher, dass es neue Produkte und Dienstleistungen erfolgreich nach dem Design-Thinking-Ansatz entwickelt.

Zahlreiche internationale Unternehmen und Organisationen jeglicher Größe nutzen inzwischen Design Thinking als Projekt-, Innovations-, Portfolio- und / oder Entwicklungsmethode. Desingit, ein internationales Unternehmen für strategisches Design, hat beispielsweise mit Design Thinking eine völlig neue Form für das Verkaufen von Autos entwickelt: Audi City heißen die Showrooms, die sich bislang in Peking, London und Berlin befinden.

Audi City beschränkt sich darauf, nur einige wenige Fahrzeuge tatsächlich vor Ort zu zeigen und bildet das individuelle Produkterlebnis digital ab: Im Zentrum steht die Interaktion zwischen Kunde und Produktkonfiguration: Am Multitouch-Table erleben User ihr Wunschfahrzeug aus unterschiedlichen Perspektiven - intuitiv per Gestensteuerung, in Echtzeit 3D und verknüpft mit der Klangtechnik des Raums.

Unterstützt von einer intuitiv verständlichen Benutzeroberfläche stellt der Besucher von Audi City sein persönliches Wunschfahrzeug zusammen. Hat der User seine Konfiguration abgeschlossen, kann er diese auf großformatige Video-Displays projizieren, die eine Einheit mit dem Raum bilden und die Fahrzeugdarstellung in Originalgröße ermöglichen. Der User erlebt das virtuelle Produkt und erkundet sein Wunschfahrzeug aus unterschiedlichen Perspektiven. Er öffnet Türen und Dächer, wählt aus und entdeckt. Kurzum: er nimmt den Konfigurationsprozess als emotionalen Moment wahr - für jeden Kunden ist das ein "magisches Erlebnis".