Wipro Artificial Intelligence Umfrage

(Keine) Angst vor der AI?

Blog Post
Von Dr. Klaus Manhart    10. August 2017
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
AI ist ein zweischneidiges Schwert. Führungskräfte erkennen immer mehr das disruptive Potential und die Business-Möglichkeiten von AI. Gleichzeitig haben viele Mitarbeiter Angst, durch intelligente Systeme ihre Jobs zu verlieren. Eine Wipro-Umfrage gibt Auskunft über den Stand der Dinge von AI im Unternehmensumfeld.

Wie steht es aktuell um die Artificial Intelligence (AI)? Setzen Unternehmen schon heute AI-Lösungen ein oder warten sie noch ab? Und wird AI eher als Bereicherung oder als Bedrohung wahrgenommen? Um ein aktuelles, realistisches Bild vom AI-Einsatz im Unternehmensumfeld zu gewinnen, hat Wipro zusammen mit der Economist Intelligence Unit (EIU) eine weltweite Umfrage unter 203 Führungskräften aus mehreren Branchen durchgeführt.

Das Wichtigste: AI wird von den Managern weitgehend akzeptiert und als mächtige Technologie eingeschätzt. Viele sehen in der AI ein großes disruptives Potential: Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass AI die Fähigkeit hat, zahlreiche neue Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen - ganz ähnlich zu dem, was mit dem Internet zwei Jahrzehnte vorher möglich war.

AI steht auf der Agenda

Entsprechend steht AI derzeit auf der Agenda vieler Führungskräfte. 75 Prozent der Befragten sagen, dass AI in ihren Unternehmen in den nächsten drei Jahren "aktiv umgesetzt" werden wird. Immerhin 3 Prozent gaben an, sie hätten AI-Lösungen bereits aktuell eingeführt. Im Ländervergleich haben - wenig überraschend - die USA die Nase vorn: Dort wird sich AI am schnellsten durchsetzen und in 84 Prozent der US-Firmen aktiv eingesetzt werden.

Bei den Branchen ist der Einzelhandel führend: 84 Prozent der Einzelhandelsunternehmen werden laut Umfrage AI-Lösungen in Zukunft nutzen. Der Einzelhandel hat in der AI bereits eine Vorreiterrolle übernommen: Schon heute werden dort intelligente Prognose- und Preissysteme genutzt und in Beratung und Kundenservice Chatbots und virtuelle Roboter.

Studie Artifical Intelligence
Interessieren Sie die Ergebnisse der Umfrage im Einzelnen? Die komplette Studie kann hier
als PDF heruntergeladen werden.

Bei der Anwendung neuer Technologien sind größere Unternehmen mit ihren etablierten Strukturen im Nachteil im Vergleich zu kleinen, wendigen Start-ups. 44 Prozent der Führungskräfte gaben an, bei einer Verzögerung der AI Umsetzung würden Tech-Start-ups ihr Business stören. Um nicht den Anschluss an AI-Technologien zu verlieren müssen viele Unternehmen aufrüsten. 40 Prozent der US-Firmen und 38 Prozent der Hersteller gaben an, dass sie zu diesem Zweck Technologie-Startups erwerben oder finanzieren wollen.

Macht AI arbeitslos?

Das disruptive Business-Potential der AI ist die eine Seite. Die andere ist die Furcht vieler Menschen vor der AI. Berufstätige haben Angst, dass die künstliche Intelligenz ihre Jobs und menschliche Arbeit ganz allgemein ersetzen könnte. Das ist wenig wahrscheinlich. Allerdings dürften mit der Einführung von AI-Technologien bestimmte Tätigkeiten wegfallen, meint die Hälfte der Befragten: Fast jede zweite Führungskraft ist überzeugt, dass durch AI bestimmte berufliche Rollen innerhalb der nächsten fünf Jahre wegrationalisiert werden.

Gleichzeitig werden allerdings viele Tätigkeiten durch AI erleichtert: Die überwältigende Mehrheit der Befragten - 79 Prozent - glaubt, dass AI ihre Arbeit leichter machen und ihre eigene Leistung verbessern wird. Als Beispiel wird das Gesundheitswesen angeführt. Dort wird die AI in so gut wie allen Bereichen die Arbeit von Medizinern, Pflegern und Assistenten massiv verbessern. Roboter werden Operationen durchführen und Patienten betreuen, kognitive Systeme Krebsdiagnosen erstellen und Therapien planen.

Das Gesundheitswesen ist auch ein Beispiel dafür, dass AI mehr Arbeitsplätze schaffen wird als durch den AI-Einsatz verloren gehen werden. Eine zunehmend alternde Gesellschaft und Personalmangel erzeugen eine starke Nachfrage nach Gesundheitsdiensten, deren Bedarf gedeckt werden muss. Wenn medizinische Fachkräfte mit Werkzeugen wie AI ausgestattet sind, wird ihre Arbeit optimiert und deutlich attraktiver. Es wird - so die Studie - einen Zustrom von Menschen in den Medizinbereich geben, die diese Werkzeuge nutzen wollen.