Blockchain

Hype oder Game-Changer?

Blog Post
Von Dr. Klaus Manhart    10. August 2017
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Wird aus dem Blockchain-Hype jemals ein wirtschaftlicher Nutzwert? Wahrscheinlich nicht gleich, aber Vieles spricht dafür, dass Blockchain die ökonomischen Spielregeln verändern wird. Dass die Technologie noch nicht marktreif ist, hat seine Gründe.

Blockchain hat nach dem kürzlich erschienenen "Hype Cycle for Emerging Technologies" von Gartner den Hype-Höhepunkt erreicht. In der Gartner-Philosophie muss eine Technologie erst einmal den Hype-Zyklus passieren, bevor sie in der komplexen Business-Realität einen Nutzen bringen kann.

Anwendern und Analysten stellt sich allerdings die Frage, ob, wie und wann Blockchain und die dahinerstehende Distributed-Ledger-Technologie (DLT) jemals das Plateau der Produktivität erreicht - und damit zum Game-Changer für die Finanzindustrie wird. Die erwartet sich viel von DLT: Globale Finanzmärkte können laut diverser Studien etwa 80 Milliarden Dollar an Betriebskosten sparen, wenn Blockchain Mainstream-Technologie werden sollte.

Blockchain dürfte den Hype allerdings nur dann hinter sich lassen, wenn es mit der Technik gelingt, die Kernfragen der Finanzinstitute zu lösen, mit der diese heute konfrontiert sind: Vereinfachung und Sicherheit. Der eigentliche Wert von Blockchain als Technologie liegt grundsätzlich in der Rationalisierung der Prozess-Wertschöpfungskette und in der Bereitstellung von robuster Sicherheit.

Warum wird Blockchain noch nicht eingesetzt

Es gibt bereits einige spannende Use Cases für Blockchain und sogar erste kleine Anwendungsfälle. Die Realität ist leider, dass noch kein Finanzinstitut Blockchain produktiv implementiert hat. Und es gibt gute Gründe anzunehmen, dass das auch kaum in absehbarer Zeit passieren wird.

Der Erfolg von Blockchain als Technologie hängt von drei Faktoren ab:

1) Sicherheit

Jüngste Probleme im Bitcoin-Austausch und schwerwiegende Hacking-Vorfällen stellen eine erhebliche Bedrohung für die zugrundeliegende Blockchain-Technologie dar. Mitglieder der Bitcoin-Community vermuten, dass es seit der Bitcoin-Einführung bis zu 60 schwerwiegende Hacking-Vorfälle gegeben hat. Zudem verschweigen viele Bitcoin-Börsen Hacking-Vorfälle aus Angst, Kunden zu verlieren. Die Frage stellt sich. Wie sicher wird Blockchain in Zukunft sein? Wie schnell werden die Schwachstellen beseitigt werden?

2) Umgang mit Altlasten

Viele Technologien sind im Laufe der Jahre gereift, doch die IT der Banken läuft immer noch auf Mainframes. Wie Blockchain mit der Legacy-Infrastruktur in Banken zusammenarbeitet, wird ein zentraler Aspekt sein, auf den man achten muss. Vielleicht wäre es eine gute Idee, ganz neu anzufangen und die Finanz-IT pragmatischer zu gestalten.

3) Vertrauen

Datenbesitz war schon immer eine Quelle der Macht. Mit digitaler Währung und Blockchain wird es nicht anders sein. Sie wird die politischen Hierarchien verändern. Die Frage ist: Wie werden Unternehmen damit umgehen? Sie dürften gut damit fahren, die Blockchain langfristig in ihrem Portfolio zu haben. Bill Gates hat einmal gesagt: "Wir überschätzen die Veränderungen, die in den nächsten zwei Jahren auftreten werden und unterschätzen die Veränderungen, die in den nächsten zehn passieren werden. Versinken Sie also nicht in Untätigkeit."

Obwohl die Grundlagen solide sind, wird es mit der Akzeptanz von Blockchain in naher Zukunft schwierig sein. Kritische Regulierungsbehörden werden pingelig jede News über Sicherheitsprobleme gegen Blockchain verwenden. Aber die Zusammenarbeit auf Basis dieser Technologie ist beispiellos und es ist de facto eine wirklich zukunftsträchtige Technologie. Deshalb wird Blockchain auch irgendwann Wirklichkeit werden. Bill Gates würde vielleicht sagen: In fünf bis sieben Jahren. Danach würden frühestens 2022 dann die ersten Distributed-Ledger-Anwendungen produktiv eingesetzt werden. Und 2025 könnten erste neue Geschäftsmodelle nachhaltig verändernd wirken.