Der Stand der Dinge

Die Realität bei Industrie 4.0

Blog Post
Von Dr. Andreas Wombacher    17. März 2017
Dr. Andreas Wombacher ist Data Scientist für Smart Manufacturing und Entwickler von Lösungen für den Digital Workflow mit weitreichendem Wissen zu Datenverarbeitung und Datenmanagement sowie der Modellierung und Analyse von Arbeitsabläufen. Er war bereits in vielen Smart-Manufacturing-Projekten in verschiedenen Branchen und in Unternehmen unterschiedlicher Reifegrade tätig und ist ein Experte für die Kombination von Daten und Arbeitsabläufen, z.B. beim Process Mining zur Gewinnung neuer Einblicke in die entsprechenden Prozesse oder bei der Anreicherung von Daten mit kontextueller Semantik anhand. von Workflow-Modellen.
Industrie 4.0 ist in der Realität angekommen – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Während einige Branchen und Regionen ganz vorne mit dabei sind, hinken andere hinterher. Das hat seine Gründe.

Mit Industrie 4.0-Projekten verbinden Unternehmen hohe Erwartungen hinsichtlich Produktivitätssteigerung und Kostensenkung. Viele Unternehmen bemühen sich deshalb derzeit, nicht den Anschluss zu verlieren und auf den abfahrenden I4.0-Zug aufzuspringen. Doch der Entwicklungsstand der Industrie 4.0 Umsetzung unterscheidet sich erheblich nach Branchen, Regionen und Unternehmensgröße.

Großkonzerne positionieren sich als Entwicklungstreiber und stampfen Modellprojekte wie auch Imagekampagnen aus dem Boden, kleinere und mittlere Unternehmen dagegen gehen das Thema Industrie 4.0 und die damit verbundenen Innovationen deutlich langsamer an. Sie warten die weitere Entwicklung eher ab, weil ihnen oft das Know-how fehlt, das Thema zu adressieren, und für die notwendigen Anpassungsprozesse im Vergleich zu großen Betrieben nur geringe Mittel zur Verfügung stehen.

USA, BRD, Japan: Die führenden Regionen

Regional ist die I4.0 ebenfalls unterschiedlich entwickelt. Die vier bedeutendsten Volkswirtschaften, die bei der Digitalisierung der Produktion im Wettbewerb stehen, sind laut den meisten Experten Deutschland, USA, China und Japan. Die gute Nachricht: Bisher hat kein Land einen Vorsprung erarbeitet, der nicht mehr einzuholen wäre. Dennoch ergeben sich zwischen den einzelnen Regionen Unterschiede.

In einer Umfrage des Digitalverbands Bytom unter 559 Produktionsleitern, Vorständen und Geschäftsführern von größeren Industrieunternehmen gaben 28 Prozent an, dass die USA beim Wandel der klassischen zur vernetzten Fabrik den Ton angeben. Fast ebenso viele, nämlich 25 Prozent, sehen Deutschland vorne. Japan belegt mit 20 Prozent den dritten Platz.

China zählt laut der Studie zu den eher weniger entwickelten Ländern was Industrie 4.0 betrifft und liegt gleichauf mit Schwellenländern wie Korea oder Indien, in denen Industrie 4.0 so gut wie nicht relevant ist. "In einem metallverabeitenden Betrieb in Indien ist Automatisierung nur rudimentär umgesetzt, weil dort die Arbeitskräfte sehr billig sind und der Kostendruck nicht sehr groß ist", sagt Dr. Andreas Wombacher, Senior Consultant beim indischen IT-Dienstleister Wipro. "Hier ist es schwierig, für Investitionen in die I4.0-Infrastruktur einen Business Case zu machen".

Die Vorreiter-Branchen

Wenig überraschend korreliert die Umsetzung von Industrie 4.0 mit der Branchenzugehörigkeit des Unternehmens. Aktuell gehören Automobilzulieferer zu den Klassenbesten bei der Industrie 4.0-Einführung, wie eine Studie der Pierre Audoin Consultants (PAC) belegt. Der Hauptgrund dafür ist der steigende Wettbewerbsdruck, der eine schnelle Umsetzung von Kundenanforderungen und eine bedarfssynchrone Produktion verlangt.

Die ITK-Branche, der Maschinenbau und die Elektroindustrie spielen ebenfalls eine starke Rolle bei Industrie 4.0. Ganz vorne mit dabei ist die Halbleiterindustrie. "Hier wird einfach deshalb so viel automatisiert, weil in diesen kleinen Bereichen und den winzigen Teilen, mit denen gearbeitet wird, manuell nichts mehr möglich ist", sagt Dr. Andreas Wombacher. Auch die Pharmaindustrie gehört zu den Vorreiterbranchen. Dort treibt vor allem der regulatorische Druck die Automatisierung voran. Pharma-Unternehmen müssen möglichst schnell und solide an die Informationen kommen, die sie bereitstellen müssen.